I love Ottakring: Zur blauen Nos'n

Ich bin ja ein waschechtes Ottakringer Mädl. 


Als ich noch klein war, hat mich mein Papa am Samstag in der Früh immer zum Brunnen- und Yppenmarkt mitgenommen, um dort einzukaufen und auch gleich was für's Frühstück mitzunehmen: Bauchfleisch oder (Pferde-) Leberkäs, was g'sundes halt. ;-) Ich erinner mich heut noch an die dicke Scheibe, die wir dann mit Mami zu Hause gemeinsam verdrückt haben. In Würfel geschnitten (weil ja so dick :-) -  mit knuspriger Rinde und dazu Senf & Brot. Mhmmmm :-) 

Ich war auch sehr gern mit im Wirtshaus oder beim Heurigen, um dort mit meinen blauen Klimperaugen & den hellblonden Engerlhaaren bei den Omis Manner Schnitten abzustauben. Oder Bensdorp Riegel, Junior Schokolade, Betthupferl...was man halt so als Kind in einem Wirtshaus interessant findet, wenn der Papa Preisschnapsen geht :-)

Eigentlich war ich immer in Ottakring, bis auf einen kurzen Ausflug in den 18ten. Hat mir nicht gefallen. Also schnell wieder zurück nach Hause. 


Ich lieeeebe Ottakring und mag nie wieder woanders wohnen. Deshalb mag ich euch ab jetzt immer wieder meine liebsten Lokale aus dem besten aller Bezirke vorstellen. 
Heute soll es um einen Heurigen gehen, der mir besonders am Herzen liegt: 
Die blaue Nos'n.



Die blaue Nos'n hab ich eigentlich erst letztes Jahr entdeckt. Gesehen hab ich das Schild ganz oft, aber von aussen schaut die Nos'n eher wie ein Branntweiner aus. Irgendwie sind wir dann aber letztes Jahr doch noch reingestolpert und jetzt wünsche ich mir, wir wären schon eher mal dort gewesen. 


Der Weg nach hinten mach neugierig. Und plötzlich steht man mitten im Garten. Bei der blauen Nos'n sind eigentlich meistens alle Tische besetzt, also setzt man sich einfach irgendwo dazu und lernt immer andere Leute kennen: Stammgäste, Jungfamilien, Senioren...und immer ist es einfach nett, dort mit jemanden ins Gespräch zu kommen. 

Und wenn man selber mal einen Tisch hat, dann setzt sich eben jemand andrer dazu. :-) 


In der Nos'n gibt es keinen Firlefanz. Man braucht sich auch gar nicht erhoffen, dort Extrawürschtln zu bekommen. Zum Essen gibt's kaltes Buffet, keine Riesenauswahl und lauter einfache Sachen, wie Paprikaspeck, Käse, Bratlfettn, Grammelschmalz, Liptauer, Geselchtes, Salami, Gurkerl, Pfefferoni usw. und: Brot. Nix mit Salzstangerl und Kornspitz. Einfach: Brot.


Und das schmeckt. 
Je einfacher desto besser. Dazu gibt's natürlich Wein und für die Kinder Traubensaft. Ich glaub es gibt nichtmal ein Kracherl. Der Besitzer steht am Buffet und ist herrlich grantig ("Brot is aus, ich sperr jetzt zua, zum Essen gibts heit nix mehr." ...aber das letzte Stück Käse hat er uns geschenkt :-) und wenn der Kellnerin zufällig mal ein Lächeln entkommt, ist man schon stolz. 


Leider mußten wir erfahren, daß es die Nos'n nicht mehr allzu lange geben wird: Der Grund gehört der Stadt Wien, das Haus dem Besitzer. Da er aber nun auch schon 77 Jahre zählt, wird das natürlich nimmer ewig weitergehen (mal sagt er nächstes Jahr, mal sagt er es geht weiter). Die Stadt Wien mag dann dort, wo jetzt eine entzückende Laube mit Heurigen steht, einen Parkplatz sehen. Bravo.



Ich weiß noch nicht wie und was, aber ich weiß es muß was getan werden. So ein Otakringer Urgestein - die Nos'n gibts seit 1879 - kann man doch nicht einfach so zu einem Parkplatz umbauen. Mir blutet das Herz. 

Was meint ihr dazu?















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